Stall und Stiefel-Projekt

Seit Oktober 2020 besucht die Klasse 2SR der EKS jeden Dienstag den Internationalen Schulbauernhof Hardegsen.

Wenn die Kinder morgens in der Schule angekommen sind, wird sich nur kurz begrüßt und geschaut, ob die Kinder alle Sachen für den Bauernhoftag dabei haben.

Die Kinder brauchen dort nämlich eine Matsch-/Regenhose, Gummistiefel, warme Socken, eine Jacke, die schmutzig werden darf sowie Arbeitshandschuhe, ihr Frühstück und ein Getränk. Vor allem wetterfeste Kleidung ist wichtig, da die Tiere auch bei Regen und Schnee gefüttert und versorgt werden müssen.

Anschließend geht es zu den Taxen, die schon hinter der Schule warten und die Klasse in etwa 15 Minuten nach Hardegsen fahren.

Warum ein Bauernhof-Projekt in Klasse 2?

„Lernen beim Tun“ ist das Motto.

Sprache ist der Schlüssel zur Bildung und zur Teilhabe an der Gesellschaft. Deshalb ist die sprachliche Bildung und Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen mit sprachlichen Schwierigkeiten oder auch Migrationshintergrund in der Schule ganz besonders wichtig. Während der Zeit auf dem Schulbauernhof ergeben sich die vielfältigsten und motivierendsten Sprechanlässe. Gleichzeitig wird ein emotionaler Bezug hergestellt, was das Lernen zusätzlich positiv beeinflusst.

Auch stille, sehr zurückhaltende und sprechängstliche Kinder machen hier positive Erfahrungen. Die natürlichen Versorgungssituationen der Tiere auf dem Schulbauernhof sind verständnisfördernd und ermöglichen diesen Kindern Situationen, die das Sprechen und Kommunizieren erleichtern. Das gleiche gilt für Kinder mit Migrationshintergrund. Die Bedeutung neuer, unbekannter oder schwieriger Wörter kann auf dem Schulbauernhof über verschiedene Sinneskanäle erarbeitet und gefestigt werden (sehen, hören, tasten, riechen, schmecken).

Die Kinder lernen hier, sich auszudrücken, die Bedeutung von Wörtern. Sie lernen all das bei Tätigkeiten, die sie spannend finden und die Ergebnisse bringen – sei es ein sauberer Stall oder ein selbst gesammeltes Ei. Das ganzheitliche Lernen steht im Vordergrund.

Neben den verbalsprachlichen Fähigkeiten werden alltagsnahe, motivierende Schreibanlässe geschaffen (ein Bauernhof-Tagebuch, die Eierkartons für den Verkauf beschriften, einen Futterplan schreiben.....).

Die Kinder übernehmen Verantwortung, lernen, was Tiere und Pflanzen brauchen, wie Lebensmittel produziert werden und wie Nachhaltigkeit im Alltag aussieht, Zusammenarbeit funktioniert.

Die Klassengemeinschaft wird nachhaltig gefördert. Ein solches Projekt ist für die Kinder auch eine Gelegenheit, sich neu in einer Gruppe zu positionieren.

Das Bauernhof-Projekt hat positive Effekte folgende Entwicklungsbereiche und Verbindungen zu den Unterrichtsfächern:

  • Soziale Kompetenz: Verantwortung für mich und meine Gruppe übernehmen, abwarten, gegenseitig helfen, Hilfe einfordern, Selbständigkeit
  • Arbeitsverhalten: durchhalten, zumuten, angehen, absprechen, kooperieren
  • Deutsch: Sprache, Satzbau, Grammatik, argumentieren, diskutieren, sprachliche Äußerungen anregen, gezieltes Zuhören – wiedergeben lassen, Schreibmotivation (Tagebuch/Eierkartons/Futterplan)
  • Mathe: Vorläuferfähigkeiten Zahlbegriff, Zählfähigkeit, Menge-Zahl-Zuordnung, Orientierung im 100 er Raum, Seriation, Bündeln (Eierkartons), Sachaufgaben (Futtersituation…) in Rechenaufgaben kodieren, Datenerfassung      (Direktvermarktung Eier) …
  • Sachunterricht: gesunde Ernährung, "von der Produktion auf den Teller",

Leben auf dem Bauernhof, Leben auf der Wiese, Vögel im Winter…Expedition zum naheliegenden Bach: Wasserproben, was schwimmt was sinkt….

Wie sieht ein typischer Tag auf dem Schulbauernhof aus?

Zwischen 8.00h und 8.10h erreichen die Taxen den Hof, die Kinder ziehen sich in der Umkleide selbständig ihre Bauernhof-Kleidung an.  Anschließend erfolgt eine gemeinsame Begrüßung und die Aufgabenverteilung für den Tag. Hierfür bekommt jedes Kind einen „Ausweis“ auf dem die zu versorgende Tiergruppe und die entsprechende Futterration in Bild und Schrift notiert sind. Nun erledigen die Schüler gemeinsam die Fütterung der Tiere.

Arbeiten und frische Luft machen ja bekanntlich hungrig, also gibt es gegen ca. 9:30 Uhr eine gemeinsame Frühstückspause im Speisesaal. Danach werden weitere Aufgaben besprochen: vielleicht müssen die Schweine ausgemistet, die Schafe umgeweidet, die Eier für die Direktvermarktung gesäubert, gewogen und verpackt oder Äpfel gesammelt werden. Auf dem Hof gibt es immer etwas zu tun. Neben der Arbeit darf aber der Kontakt zu den Tieren nicht zu kurz kommen. Es darf immer wieder gekuschelt und gestreichelt werden.

Ergänzt wird der Tag auf dem Bauernhof durch Workshops oder spielerische Sprachfördereinheiten.

Gegen 13h gibt es ein leckeres Mittagessen, das vom Team des Schulbauernhofs zubereitet wird und aus regionalen oder sogar eigenen Produkten des Hofes hergestellt wird (z.B. den Eiern, die die Kinder zuvor eingesammelt haben).

Um 14h kommen die Taxen und bringen die Kinder zurück zur EKS.

Schade, viel zu schnell vergehen die Tage auf dem Bauernhof.

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